Europa setzt auf "Active Demand"

SmartGrids sind intelligente Stromnetze, die einen energie- und kosteneffizienten Energiehaushalt ermöglichen. Die EU unterstützt ein viel versprechendes Projekt, das Stromverbraucher optimal in die neuen Technologien einbinden soll. ABB forscht mit.

Im Grunde ist es einfach: Verbraucher A will jederzeit soviel Energie beziehen können, wie er braucht und ist bereit, dafür einen höheren Preis zu bezahlen. Bezügerin B denkt an Umwelt und Portemonnaie und nimmt Engpässe in Kauf. A und B bestellen ihre bevorzugte Variante. A wird also jederzeit Strom beziehen können. B muss sich überlegen, welche Stromquellen sie wann einschalten will, da ihr, abhängig von den Netzbedingungen, nicht 24 Stunden am Tag unbeschränkt Energie zur Verfügung steht. Diese wird durch eine “Energy Box“ gemessen, berechnet und verteilt. Wenn also möglichst viele Verbraucher von Variante B überzeugt werden können, hat dies eine Senkung der Verbrauchsspitzen zur Folge. Das wiederum bedeutet, dass Energie gespart wird und die Betreiber ihre Netze weniger stark ausbauen müssen, um Spitzen bewältigen zu können. Die aktive Beteiligung von Verbrauchern am Netzgeschehen wird “Active Demand“ genannt.

Das ökologische Gewissen wecken
Ist das Zukunftsmusik? “Es braucht noch etwas Zeit, doch wir sind dran“, sagt Andrew Paice, Abteilungsleiter im ABB-Forschungszentrum Dättwil. Mit “wir” meint Paice ein Konsortium mehrerer gewichtiger europäischer Unternehmen aus dem Energiesektor, das auf Initiative der französischen EDF, von Enel aus Italien, Iberdrola aus Spanien und ABB gegründet worden ist. Der Projektvorschlag wurde im Mai 2007 bei der EU eingereicht und gutgeheissen. Im Juni konnte das 17-Millionen-Euro-Projekt gestartet werden. ABB beteiligt sich mit fünf Mannjahren, die zur Hälfte von der EU bezahlt werden, und leistet in technologischer Hinsicht einen wichtigen Beitrag. “ABB verfügt über Kommunikationssysteme, welche die nötigen Informationen über den Verbrauch liefern können”, erklärt Paice und ergänzt: “Es werden neue Funktionen in unsere SCADA-Systeme eingebaut – beispielsweise Verbrauchs- und elektrische Generationsvorhersagen sowie Schnittstellen zu den Märkten und den so genannten Aggregators.” Das sind Abnehmergemeinschaften, die den Stromverbrauch koordinieren, diesen also bei Verbraucherin B ändern, um Preisvorgaben zu erfüllen, Umweltziele zu erreichen oder gar den Netzbetrieb zu unterstützen. Für 2011 sind die ersten Testläufe in Frankreich, Italien und Spanien geplant.

Nebst der Lösung von technischen und organisatorischen Problemen gilt es laut Paice auch, die Bevölkerung zu überzeugen. Angesichts der Tatsache, dass die Energiekosten europaweit sehr tief liegen, ist dies kein einfaches Unterfangen. Das heisst, dass an das ökologische Gewissen appelliert werden muss. Einen Trumpf haben Andrew Paice und seine Kollegen im Ärmel: “Mit dem Einsatz von “Active Demand” kann in ganz Europa Stromausfällen vorgebeugt werden.”

Last edited 2009-06-15
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    • students@ch.abb.com

      Andrew Paice
      Leiter Informationstechnologien
      ABB Forschungszentrum
      5405 Baden-Dättwil
      Tel. +41 58 586 81 07
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